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Team Pure Lebenslust in Bangkok..
 
Kontraste

Die ersten Tage in Tokio sind inzwischen vergangen. Die totale Aufregung hat sich langsam gelegt. Fragen, die mich noch im Flugzeug gequält haben, sind inzwischen beantwortet! Nora, Jeannine, Sachi und ich sitzen in der U-Bahn, der uns inzwischen sehr bekannten Keio-Line und unsere Tour soll uns heute nach Kyoto führen. Ich freue mich schon sehr auf all die Tempel und Gärten. Muss wirklich großartig sein, habe schon einiges davon gelesen und gehört. Wenn ich mich so um¬schaue, gucke ich in eher ernste Gesichter. Die Japaner erwidern nur selten ein Lächeln, viel wichtiger scheinen die ständig aufgeklappten Handys, mit denen permanent ganze E-Mails versendet werden - witzig!
Diese Ernsthaftigkeit darf aber in keinem Falle mit Unfreundlichkeit verwechselt werden, viel zu hilfsbereit und bemüht sind uns all die Menschen in den letzten Tagen gegenübergetreten. Egal, wen man wo fragt - es wird alles versucht um weiter zu helfen. Mit wilder Herumfuchtelei und lustig aussehenden Zeichen, werden dabei sogar schwierigste Sprachbarrieren überwun¬den. Wirklich unglaublich!
Aus meinen Gedanken erwacht, fällt mir auf, wie voll es schon wieder geworden ist. Bestimmt die Hälfte der Leute muss stehen. Schulter an Schulter stehen sie nebeneinander, Taschen und Tüten ordentlich auf die extra vorgesehen Ablagen gelegt. Es ist sehr still, kaum jemand unter¬hält sich, die Gesichter werden von Tausenden Werbepapieren versteckt: bunte Anzeigen leuch¬ten in den für mich unverständlichsten Zeichen über den Türen. Gewohnt scheinen sie an die ständige Enge. Disziplin und Geduld hat hier Jeder. Wenn ich nur an die Situation vorhin auf dem Bahnsteig denke!
An extra markierten Stellen ste¬hen die Leute ganz systematisch in Zweierreihen und warten in dieser Position geduldig auf die Bahn. Ist der Zug dann eingefahren, bildet sich ganz automatisch eine Gasse, für alle Aussteigen¬den! Oh man, mir fällt die chaosartige Atmosphäre auf Berliner Bahnhöfen ein! So eine Ordnung kann ich höchstens mit Grundschulzeiten in Verbindung bringen, wenn es darum ging, gemeinsam in Zweierreihen zur Sporthalle zu gehen. Doch hier ist das tagtäglich normal. Nur ich habe im¬mer wieder Probleme und will unsystematisch zu einer mir beliebigen Tür rennen - Anpassung ist angesagt!

„Janika, what are you thinking about?“, spricht mich plötzlich Sachi an und ich erzähle ihr, was mir als Europäerin so alles auffällt und wir reden über Gott und die Welt. Irgendwie süß, wie sie in ihrer eher zurückhaltenden, leisen Art über ihr Leben erzählt und trotzdem unmissverständlich deutlich macht, was ihr wichtig ist, wie sie fühlt und was ihre Eindrücke sind. Erstaunlich direkt stellt sie mir Fragen, möchte Auskunft zu ganz speziellen Themen und ist extrem interessiert an Dingen, die für sie anders sind als in unserer Welt. Ein richtiger Erfahrungs- und Kulturaustausch, der hier gerade stattfindet.

Es ist wirklich unglaublich, mit wie viel Fürsorge sich Sachi die letzten Tage um uns gekümmert hat, wie gewissenhaft sie alle Vorbereitungen getroffen hat und uns jeder Zeit mit Rat und Tat zur Seite stand! Ich bin echt glücklich über so eine wertvolle Hilfe! Also ein echtes Kontrastprogramm, was mich hier zum Nachdenken anregt. Ernsthaftigkeit und deshalb noch lange keine Unfreundlichkeit, Zurückhaltung und doch Direktheit, Disziplin und Stille und doch keine Unterordnung! Neben mir sitzt Jane, auch sie scheint ähnlich in Gedanken versunken....

Janika


Kuriositäten

Ups, Jani guckt ja so erstaunt. Naja, kein Wunder, neben mir sitzt wieder ein typisch japanisches Teenagermädchen in Schuluniform, die ihren überdimensional großen Taschenspiegel aus ihrer Schultasche holt. Seit nun mehr als fünf Minuten zupft sie jetzt schon ausdauernd an ihren Haa¬ren herum, eigentlich ohne jegliche Veränderung. „Genau das meinte ich, Jani, als ich neulich von den körperbewussten Teenagern Japans sprach“ grinse ich zu meinen Mädels rüber.

Aber das ist längst nicht alles! Japanerinnen, ob jung oder alt, geben viel auf ihr Äußeres. Der regel¬mäßige Besuch in einem der vielen wunderschönen Public Baths ist da nur der harmlose Einstieg. Public Baths sind eines der großartigsten Dinge, die mir auf der Reise bisher unterge¬kommen sind. Grad noch im Großstadtgetümmel Tokios, kann man sich entweder im Rotwein- oder Milchbad oder sogar in der Dampfsauna eine wohlverdiente Auszeit gönnen. Frauen und Männer voneinander getrennt, bewegen sich völlig ungehemmt voreinander. Entspannung pur! Doch zurück zu den Teenagern und jungen Frauen: Es gibt einige seltsame Dinge, die Japanerin¬nen benutzen, um ihr Aussehen dem westlicher Frauen anzugleichen. Warum auch immer. Als ich einmal voller Neugierde die Drogerie in Tokio durchstöberte, stolperte ich u.a. über eine Bleichungscreme für die Haut, ganz zu schweigen von der Bleichungs¬creme für die Iris. Wahnsinn! Außerdem stieß ich bei dieser Entdeckungsreise ebenfalls auf ir¬gendein seltsames Gerät mit dem man die Augenlider längerfristig nach oben ziehen kann, um den Augen eine rundlichere Form zu geben...

Shinjuku Station: „Alle raus Mädels, wir müssen umsteigen!“ Auf dem Weg nach Kyoto, wo wir zusammen mit Sachi für drei Tage bei ihren Eltern eingeladen sind, erzählt mir Sachi von ihrer Jugend in Osaka und kommt auf einmal ins verschmitzte Schwärmen: „In den engen Gassen, dort in Osaka, habe ich am liebsten meine Zeit verbracht!“ Als ich frage warum, erklärt sie mir, dass dies der Ort ist, wo sich die Yakuza (die japanische Mafia) aufhält und in der Unterwelt die Fäden zieht. „Sind die nicht gefährlich?“, frage ich, worauf sie in ihrem japanischen Englisch zu verste¬hen gibt: „Yes, and exciting!“ Ich bin erstaunt über diese Aussage, schien mir Sachi grad noch schüchtern und zurückhaltend, präsentiert sie sich mir nun in einem ganz anderen Licht. Erstaunt und interessiert, was sie mir noch über ihre Lieblingsplätze sagen kann, begeben wir uns allmäh¬lich zu dem Haus ihrer Eltern. Der Vater, etwa 50 und Urologe, die Mutter etwas jünger und Haus¬frau. Die Rollenverteilung der Geschlechter ist in Japan noch stark wahrzunehmen.
Beide begrüßen uns überaus herzlich und aufgeregt. Noch nie hatten sie deutschen Besuch in ihrem Haus, obwohl der Vater sogar einige Worte Deutsch spricht, wie sich später herausstellt. Sachi' s Vor¬warnung, das Haus ihrer Eltern sei eher bescheiden, stellt sich als absolute Fehleinschätzung heraus: Ein voll klimatisiertes, mit Hightech vollgestopftes, zweistöckiges Haus soll unsere „Bleibe“ für die nächsten drei Tage sein. Als wir vor dem Abendessen zuerst einmal duschen wollen, vergessen wir völlig in welcher Kultur wir uns befinden, als wir, nur im Handtuch beklei¬det aus dem Bad huschen wollen. Der Vater, gerade um die Ecke kommend, rennt beschämt von unserem „freizügigen“ Anblick, hastig die Treppen zu seinem Zimmer herauf. Oh man, da sind wir ja mächtig ins Fettnäpfchen getreten an diesem Abend! Japan ist halt nicht Europa!!

UEBERLEI¬TUNG ZU NORAS TEIL!!...am nächsten Tag in der U-Bahn, auf dem Weg zu einer Paperausstel¬lung.....

Jane


Kunst

Obwohl Sachi normalerweise so ruhig ist, fällt mir des öfteren in der U-Bahn auf, wie viel Humor diese kleine Japanerin doch hat. Als wir an einer Umsteigestation halten und Hunderte von Japa¬nern in Businesskleidung hereinströmen, so dass wir wie die Schafe zusammengepfercht werden, zwinkert sie mir zu. „Das nennen wir nicht Sandwich wie die Amerikaner, sondern Sushi!“ Ich überlege einen Moment und dann breche ich in schallendes Gelächter aus bis sie mir wiederum zuzwinkert, nur etwas länger, denn es ist nicht gern gesehen in der U-Bahn so laut zu sein.
Komprimierte Japaner in der U-Bahn sind also Sushi, selbst für Sachi! In den folgenden Tagen werden wir nicht nur Sushi essen, sondern auch des öfteren selbst dazu verarbeitet. Sushi ist also eine Japanische Tradition, die wir hautnah erleben dürfen.

Die Ästhetik von Sushi spiegelt sich auch im Kunsthandwerk wieder. Die Papierausstellung, in die uns Sachi führt, übertrifft alle unsere Erwartungen. Sachi erklärt mir: „Schönes Papier ist für Japaner ein Muss. Wir legen Wert auf Harmonie mit der Natur und Ästhetik in den kleinen Dingen. Räume müssen zum Beispiel optimal genutzt werden. Gärten sind der Natur nachempfunden.“ „Aha!“, denke ich. Deshalb sind die Papiere auch so faserig und detailreich. Sachi erklärt mir weiter: „Das Japanische Papier enthält oftmals Blumen und kleine Stöckchen, damit es mehr Struktur bekommt.“ Wir kaufen erst mal kräftig Papiere ein, um es später in unseren Wohnungen aufzuhangen. Darüber lacht Sachi ein wenig, denn für sie diente das Papier eher zum Briefe schreiben. Uns ist es dafür zu schade!
Im Grunde kann man die Kunst und Kultur der Japaner auf wenige Dinge reduzieren. Sie sind an Form, Farbe und Naturharmonie interessiert. Ästhetik wird ganz groß geschrieben in der Essens¬kultur (Sushi). In der Architektur sieht man ebenso klare geometrische Formen, oftmals funktio¬nale Räume mit viel Holz und Bastfußböden. Auf jeden Fall inspiriert mich die Japanische Art zu wohnen und alles schön geordnet und farblich passend zu präsentieren.

Als wir wieder von der Gallery zurückkommen, geht für uns ein Tag voller Kontraste, Kuriositäten und Kunst zuende!

Nora

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