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Fussball forever
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Unterschiede zeigen sich erst in Zeiten der Krise, vor allem in den transatlantischen Beziehungen. Doch dies ist kein Kommentar über Irak-Krieg und den Kampf gegen den Terrorismus und auch kein Plädoyer gegen Mars und Venus. Es geht nicht um Politik. Die wahre Krise liegt im Sport.
Während sich zur Zeit in Portugal die EM Mannschaften um Kopf und Kragen hacken und ganz Europa flaggenbemalt die Nationalteams anfeuert, werden die Spiele der Europameisterschaften im US-Fernsehen noch nicht einmal übertragen. Fussball findet hier nur statt, wenn er Football geschrieben wird (und sich Janet Jackson das Brustteil ihres Lederoutfits abreißen lässt). Während alle Spiele von College Team bis Superbowl in jeder Bar zu sehen sind und die Amis kommunikationsfreudig von der Theke ihre Mannschaften anfeuern, ist es so gut wie unmöglich einen Pub zu finden, in dem die EM übertragen wird. Und wenn doch, dann müssen 20 Dollar für den Eintritt berappt werden.
Kapitalismusgerecht müssen arme Fans draußen bleiben.
Das ist schade für die Amis, die sonst endlich einmal einen Einblick in die Seele Europas nehmen könnten. Die wahre Seele, jenseits von EU-Erweiterung, Wirtschaftssanktionen und Polit-Hickhack. Viel härter ist es aber für die Europäer, die hier leben. Ein Leben in der Disapora, so scheint es. Besonders schlimm, wenn das Heimatteam um die Ehre kämpft und nur deshalb nicht gewinnt, weil die telepathischen Wellen der Fans in den USA nicht über den Atlantik reichen. Um dem vorzubeugen, hat zumindest jeder männliche Europäer in Washington seinen Schreibtisch in einen Fussballaltar verwandelt. Übers Internet gibts die neuesten Infos zu Mannschaft und Spielaufbau und im Chat wird der letzte Klatsch durchgekaut.
Der Arbeitsquotient europäischer Mitarbeiter in den USA nimmt zu Zeiten von EM und WM drastisch ab.
Wenn es um Fussball geht, ist der europäische Geist einfallsreich. Plötzlich legen die Washingtoner Botschaften der EU-Länder ihre Rollen als Ländervertretungen neu aus und feiern riesige Fussballparties. Und alle kommen. Zittern, hoffen, beten. Feuern an. Und trinken schon nachmittags Bier – auch das gibt es sonst nicht in Amerika.
Auch die Deutsche Botschaft wurde zum Hauptversammlungsort alleingelassener Deutscher: Über 200 Fußballfans strömten zum ersten Spiel ins Auditorium der Botschaft und fühlten sich endlich wieder wie zuhause. Stadion-Athmosphäre kam auf, als sich die sonst zugeknöpften Diplomaten die Krawatten lockerten und die ersten „Es gibt nur ein’ Rudi Völler“ Gesänge anstimmten.
Und unsere amerikanischen Freunde? Im Sinne von Völkerverständigung und transatlantischer Freundschaft wurden sie auch eingeladen. Diejenigen, die kamen, standen leicht verstört am Rande und konnten kaum glauben, wie schnell aus den disziplinierten, kultivierten und friedliebenden Europäern Fussballrowdies wurden. Wie der sonst so verdammte Nationalismus hochkochte und alle Länder außer dem eigenen in Grund und Boden gepfiffen wurden.
Auch das ist Europa. Europa in der Disapora.
Wer eine Analyse der europäischen Fussballseele aus der New York Times lesen will, kann das
hier tun..
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